Da ich leider auch nach meiner Behandlung vorige Woche noch immer nicht gut laufen konnte, die Lahmheit sogar schlimmer wurde, überwies uns unsere Tierärztin vorgestern in die Klinik, um die ganze Geschichte schulmedizinisch und technisch abklären zu lassen.
Als Erschwernis kam noch hinzu, dass der Chefarzt jener Klinik, die bei uns in der Nähe ist und wo uns alle
kennen, derzeit nicht da ist und wir daher eine
Klinik ziemlich weit weg von uns aufsuchen mussten.
Die Ernüchterung ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Der sehr nette Chirurg ließ mich draußen laufen, tastete mich genau ab, bog meine rechte Hinterhand in alle Richtungen und drückte sehr stark auf verschiedene Stellen, vor allem rund ums Knie.
Seine sehr sicher wirkende Diagnose wurde dann durch ein Röntgen leider bestätigt:
Partieller Riss des vorderen Kreuzbandes rechts und medialer Meniskopathie.
Zum besseren Verständnis:
Im meinem ersten Lebensjahr hatte ich immer wieder schlimme Schmerzen in der linken Hinterhand, mehrfache Röntgenbefunde ab meinem 4. Lebensmonat sowie fast wöchentliche Arztbesuche waren die Folge. Immer hieß es, dass eigentlich nichts Sicheres gesagt werden könne und dass man auch nicht genau wisse, was das Problem konkret sei – wir konnten das alles schon nicht mehr hören! Trotzdem wurden aber Goldimplantate gesetzt und es trat doch keinerlei Besserung ein. Eine CT zeigte Ende November 2007 eine vermehrte Sklerose und eine hochentzündliche Flüssigkeitsbildung im linken Knie, die der Röntgenologe (Radiologe) während meiner Narkose punktierte. Ein partieller Kreuzbandriss war naheliegend, einen kompletten Kreuzbandriss konnte der Arzt praktisch ausschließen. Schon 3 Tage nach der Punktation brauchte ich keine Schmerzpulver mehr und konnte halbwegs laufen, und ab diesem Zeitpunkt gings bergauf … ich erholte mich gut, joggte langsam aber beständig mit Herrchen, die Muskeln bildeten sich relativ schnell nach und Ende Jänner 2008 gings mir bereits so richtig gut. Ich konnte belasten und gut und schnell laufen, was ich auch so gerne mache.
Nun ist es Tatsache, dass bei 40% der Hunde mit solchen Erkrankungen die andere Seite nicht lange auf sich warten lässt, meist etwa 1 Jahr. Und ich bin leider sehr pünktlich und gehöre zu diesen 40%, denn nun ist das rechte Knie betroffen: Entzündungsflüssigkeit im Knie und entsprechend bereits auftretende Arthrose rundherum. Der (wahrscheinliche) teilweise Kreuzband(ein)riss dürfte auch diesmal der Grund sein. Laut Chirurg entstand dieser aber in einem langen Prozess, unsere Rauferei war bestenfalls ein zusätzlicher Auslöser, aber eben nicht die Ursache.
Therapieempfehlung:
Ich bekomme, um nichts zu übereilen, 10 Tage lang entzündungshemmende Medikamente und wir müssen hoffen, dass in diesem Zeitraum eine deutliche Besserung eintritt. Dann bliebe mir vorerst die Operation erspart. Tritt keine Besserung ein, folgt Arthroskopie und
Operation. (Die Kosten dafür werden im letzten Satz der Therapieempfehlung genannt, wo es u.a. heißt: “ACHTUNG (sic!) … aufgrund der Hundegröße extra Platte erforderlich, deshalb …”
)
Nun hofft aber auch unsere
Frau Doktor sehr, das Problem doch mit konservativen Mitteln in den Griff zu kriegen bzw. die vom Chirurgen verordnete Therapie zu unterstützen. Dafür spräche unter anderem, dass mein linkes Knie beim Röntgen vorgestern sehr schön aussah und eben auch ohne operativen Eingriff genesen konnte. Daher wurde ich heute (aufgrund der exakten Diagnose sozusagen punktgenau) akupunktiert. Zusätzlich bekomme ich eine Kräutermischung zur Bänderstärkung und natürlich auch die verordneten entzündungshemmenden Medikamente.
Ein entscheidender Punkt bei der ganzen Geschichte ist die entstehende Arthrose. Die Schulmedizin bzw. die Chirurgie sieht in der Operation die wohl einzige Möglichkeit, dass ich wieder ordentlich laufen und belasten kann und die Fortschreitung der Arthrose zu stoppen.
Herrchen fand aber damals einen
Beitrag über den Wirkstoff der Hagbutte und besorgte umgehend Litozinkapseln. Ich kann nur sagen, die Wirkung war sensationell, nach etwa 3 Wochen spürte ich bereits die ersten Ergebnisse. Selbstverständlich bekomme ich daher auch jetzt wieder diesen GOPO-Wirkstoff.
Herrchen hat die
Studien dazu genau gelesen. Außerdem unterstützt er die ganze Therapie auch mit einer Kombination von Schüsslersalzen.
Wir haben uns entschlossen, die nächsten 14 Tage einfach alles zu unternehmen, um vielleicht doch die
Operation zu vermeiden.
Warum schreibe ich das alles, obwohl es mir nicht ganz leicht fällt?
Erstmal damit ihr euch nicht wundert, wenn ihr mich in nächster Zeit nicht laufen seht.
Aber es gibt auch ein paar wichtige Fragen, die sich stellen und die wir nicht unter den Tisch kehren wollen:
Die Schlüsselfrage ist und bleibt: Handelt es sich um einen “Unfall” (genaugenommen 2 “Unfälle”) oder ist die offensichtliche Bänder- und Sehnenschwäche vererbt?
Die Medizin kann derzeit noch keine Auskunft darüber geben, ob diese Schwäche genetisch vererbt wird. Obwohl laut Arzt durchaus naheliegend, kann es doch nicht wissenschaftlich nach-/bewiesen werden. Die
Wahrscheinlichkeit, dass ich ohne Bänderschwäche im statistisch bekannten Zeitraum auf beiden Hinterhänden Unfallverletzungen erlitt, ist aber wohl eher gering.
Unsere Theorie:
Dass es keine wissenschaftlichen Beweise für eine Vererbung gibt, könnte daran liegen, dass statistisch-
signifikante Daten fehlen.
Und warum fehlen diese? Zum Beispiel weil es Züchter geben könnte, die diese Erkrankung – so wie andere auch (Augen,
Herz,
OCD etc.) – wenn irgendwie möglich bei ihren Hunden nicht zugeben und/oder nicht ehrlich kommunizieren. Vielleicht kommt eine Bänder- und Sehnenschwäche aber auch bei manchen Hunden gar nicht zum Ausbruch, weil sie zum Beispiel ein Leben lang im Zwinger stehen und außer auf einer Ausstellung sich so gut wie nicht bewegen und sie etwa nie heftig miteinander spielen? Im Ring laufen die Hunde ein paar Meter und schaffen das – trotz Verbot – mit Rimadyl oder ähnlichen Mitteln fast problemlos. Wenn man da genau hinsieht, wie manche Doggen “laufen”, scheint uns unsere Vermutung gar nicht einmal so abwegig. Und (nicht nur) private BesitzerInnen von Hunden mit dieser Erkrankung scheuen vielleicht oft die teure Operation und Hund bekommt hohe Dosen Schmerzmittel. Vielleicht gibt es das alles aber auch gar nicht und entspringt nur unserer lebhaften Phantasie?
Dass signifikante statistische Daten insbesondere bei der Dogge schwer zusammenzutragen sind, liegt auf der Hand. Zuerst müsste geklärt werden, ob die Erkrankung aus der väterlichen oder aus der mütterlichen Ahnenlinie kommt und dann müssten sehr viele Nachfahren mit den gleichen Symptomen ausgewertet werden können. Bedenkt man dazu die leider oft doch geringe Lebenserwartung der Doggen, wird verständlich, warum es schwer ist statistisch-signifikante Daten zu bekommen.
Auch die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle: So gibt es die Schulmeinung, dass große Hunde (wie etwa Doggen) wenn sie sehr proteinreich ernährt werden, ihre Bänder schwächen. Daher wird proteinarme Kost empfohlen.
Andere Züchter, die Hunde aus solchen Verpaarungen zur Zucht verwenden, haben keine Ahnung dass eine solche Erkrankung in der Linie vorhanden ist. So bin ich sicher, dass meine Züchterin nur das Beste mit der Verpaarung meiner Eltern wollte!
Vielleicht aber kann eines Tages eindeutig nachgewiesen werden, dass die Bänder-/Sehnenschwäche nicht genetisch vererbbar ist. Vielleicht bin ich auch der einzige arme Kerl in meiner Ahnenlinie, der das Pech hatte, diese Erkrankung zu bekommen, die bei Doggen gar nicht untypisch ist, sie aber in meiner Ahnenlinie eben sonst – zumindest statistisch relevant – nicht vorkommt?
Ich jedenfalls dürfte – solange die Vererbung nicht restlos geklärt ist – nicht zur Zucht verwendet werden
(was meine 2-Beiner freilich auch nie geplant haben!) …
Grundsätzlich sehen meine 2-Beiner in der ganzen Problematik ein weiteres starkes Argument für die sogenannte Outcross-Zucht, also eine Zucht, die immer wieder unterschiedliche Blutlinien verpaart und eine zu enge Typfixierung möglichst vermeidet. Die genetische Distanz sollte also groß sein, um erbgesunde Abkommen zu züchten. Dabei ist natürlich zu bedenken, dass nicht nur die letzten 2 bis 5 Generationen ausschlaggebend sind! So ist z.B. bekannt, dass sich noch nach 13 oder mehr Generationen aus einer Schwarz x Geflecktverpaarung Gelb und Blau ausspalten (können). Und dass das nicht nur auf die Farbe zutrifft, liegt auf der Hand!
Das sind aber schon wieder eigene, sehr komplexe Themen …
Derzeit werde ich sehr geschont und darf leider nicht viel raus in den Park. Ein wenig gehen muss ich
natürlich, dass sich der Muskel nicht gar so schnell abbaut. Toben ist leider ganz verboten und ich habe
registriert, dass mich die 2-Beiner auszutricksen versuchen, wenn einer von ihnen mit Bel Ami losmarschiert …









